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Zukunftssichere Websites

Interview: Anforderungen an gutes Webdesign
Online seit: 23. Februar 2004

  • Wie kann Webdesign und Benutzerfreundlichkeit von Webseiten noch verbessert werden?

    E.V.: Kaum jemand hat Zeit auf einer Page lange zu verweilen. Es ist wie bei einer Fahrt mit dem Zug oder Auto. Man sieht eine schöne Landschaft, hat einen schönen Blick und erlebt für diesen Moment große Freude. Das ist gut und wichtig so. Aber dies darf nur einen Moment dauern, während man weiter damit beschäftigt ist, sich zu informieren. Kurz: wir brauchen ein sehr enges Zusammenspiel von "Aah" und "Aha". Alles, was dem im Wege steht, verursacht sinkende Besucherzahlen auf Ihrer Homepage. Die Umsetzungsempfehlungen des World Wide Web Consortium hinsichtlich Barrierefreiheit und Software- und Gerätekompatibilität sichern dieses Ziel auch von der technischen Seite ab.

  • Welchen Komponenten messen Sie bei der Kundenarbeit und beim Webdesign größeren Wert bei: Den Vorgaben des Verstandes oder Ihres Gefühles?

    E.V.: Gefühlsbasierten Entscheidungen messe ich sehr großen Wert bei und versuche, diese Komponente bei wirklich relevanten Entscheidungen immer zu berücksichtigen. Erstaunlicherweise sind sich Menschen oft derart ähnlich in allem, was ihre Gefühlswelt betrifft, dass der Gefühlskompass von mir nicht als eine unsichere Größe, sondern vielmehr als wichtige Orientierungshilfe bewertet wird. Für Geschäftspartner und Klienten spiegelt sich diese Einstellung in einem ehrlichen und aufrichtigen Verhalten wider. Dadurch wiederum erfahre ich Wertschätzung bereits zu Beginn einer Zusammenarbeit, das heißt, bereits lange bevor ich Ergebnisse vorgelegt habe.

  • Und ist auch ein guter Instinkt für den Erfolg wichtig?

    E.V.: Dies ist für mich letztlich nur ein anderes Wort und dem Sinn nach ganz ähnlich dem, was man unter Gefühl versteht. Zumindest besteht für meine Person da kein nennenswerter Unterschied. Aber immerhin redeten Männer, zumindest in der Vergangenheit, oft lieber von Instinkt als von Gefühl.

  • Welchen Rat haben Sie, aus der Rückschau betrachtet, vermisst, als Sie Ihre Tätigkeit als Webdesignerin aufnahmen?

    E.V.: Die Ermutigung zu mehr Selbstbewusstsein im Wettbewerb wäre durchaus hilfreich gewesen. Die meisten Designer kopieren, da wird weniger Kreativität umgesetzt als es den Anschein hat, und die offensichtliche Qualität schöner Seiten wird, wie sich nach weiterer Prüfung herausstellt, meist nicht erreicht; die Ursache sind Fehler im Quelltext und zeitraubender Seitenaufbau.

  • Worin sollte man als Webdesignerin langfristig investieren?

    E.V.: Für mich gibt es so etwas wie Freundschaft zu meinen Auftraggebern. Zwar nicht real sichtbar, aber in meinem Kopf existiert so ein Konzept, dass ich die Beteiligten ähnlich wie Freunde betrachte. Dadurch nehme ich die Situation der Menschen, für die ich arbeite, sehr ernst. Solch ein inneres Konzept der Menschlichkeit ist vermutlich die beste Langzeitinvestition, die ideale Basis für Arbeiten, die auch in der Zukunft ihren Wert haben.

  • Und worin könnte ein Berufsanfänger Ihrer Branche am besten investieren?

    E.V.: Mein Berufsfeld ist nicht sehr an monetäre Aufwendungen gebunden. Daher wäre eine langfristige Anlage denkbar oder auch ein Reiseaufenthalt bei einem erfahrenen Kollegen, etwa in Form eines Praktikums auf eigene Kosten. Das bringt neue Ideen und technischen Schliff.

  • Wie balanciert man das Zusammenspiel zwischen Geschäft und fachlichem Können am besten aus?

    E.V.: Ich denke, dies passiert nicht so systematisch, wie es Lehrbücher suggerieren. Vieles entscheidet sich durch den laufenden Bedarf und erfordert eine dementsprechend pragmatische Handlungsbereitschaft; das ist oft nicht mehr ist als ein unspezifisches Learning by Doing beim Lösen der Aufgabe, die gerade anliegt. Wie gut die Balance ist, lässt sich dann an der Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an die mitunter rasch wechselnden Anforderungen messen.

  • Gibt es ein einfaches Erfolgsrezept für eine Internetpräsenz?

    E.V.: Die Website sollte Ihnen selber wirklich gut gefallen und auch Ihren Kindern. Bei Internetauftritten ist die Meinung von Kindern ein erstaunlich zuverlässiges Erfolgsbarometer.

  • Welchen Weg zur Verbesserung am Webauftritt soll man einschlagen, nachdem klar geworden ist, dass Verbesserungen notwendig sind?

    E.V.: Da gibt es mehrere Wege, die für den Designer ebenso wie für den Homepagebesitzer interessant sind, und nichts spricht dagegen, dass Sie sich für den Weg entscheiden, der für Sie am naheliegendsten ist: Sie können, wie schon gesagt, auf Ihre Kinder hören, wenn diese spontan oder aufgefordert Ihre Webseiten begutachten. Nehmen Sie ernst und wörtlich, was Ihnen Ihre Kinder oder Neffen und Nichten zu sagen haben. Oder fragen Sie andere Menschen und notieren Sie ein möglichst wörtliches Protokoll hierüber. Es lohnt sich. Für den Fall, dass Sie es leid sind, sich Meinungen anderer anzuhören, empfehle ich Ihnen einen anderen Weg: Ganz gemäß den vorherigen Fragen nach der Wichtigkeit von Gefühl oder Instinkt können Sie in sich selbst erforschen, was Sie eigentlich gern auf einer Website sehen möchten. Versuchen Sie auch hier, diese aufgespürten Eindrücke in Worten zu beschreiben und zu Papier zu bringen. Ebenso sollten Sie aufspüren, was Ihnen beim Besuch der eigenen Website nicht behagt. Nachdem Sie die positiven Aspekte, das können auch ganz themenfremde Bilder und Assoziationen sein, und die negativen dokumentiert haben, legen Sie diese Aufzeichnungen Ihrem Designer vor und verabreden mit ihm einen Termin zu einem ausführlichen Gespräch. Der Designer wird Ihre Aufzeichnungen bestenfalls bereits einige Tage vor einem gemeinsamen Treffen lesen und kann die neuen Impulse mit bestehenden Vorgaben und dem Corporate Design in Verbindung bringen. Die gleiche Vorgehensweise funktioniert natürlich auch mit den Kommentaren von Kindern, Erwachsenen, Freunden. Sie haben jetzt die Weichen zugunsten einer fruchtbaren Auseinandersetzung und hin zu etwas wirklich Neuem und Kreativem gestellt. Das ist ein guter Anfang für das Redesign Ihrer Website.
    Dieser sehr intuitive Arbeitsansatz ermöglicht ein rigoroses Brainstorming in Sachen Kreativität und Innovation.
    Erst an zweiter Stelle werden dann alle anderen Veränderungen angegangen, die Struktur und Aufteilung, Farben, graphische Elemente, Umfang, Inhalte, technische Möglichkeiten sowie Qualitätsverbesserung und Fehlerbehebung betreffen.

    Natürlich bleiben Resultate neuerer Forschung des Online-Marketings zu Themen wie Klickverhalten und Augenbewegung nicht unberücksichtigt. Aber wir dürfen getrost annehmen, dass durch eben jene, zuvor beschriebenen, subjektiven Herangehensweisen grob konträre Resultate und Fehlschlüsse bezüglich Benutzerfreundlichkeit vermieden werden. Und selbst auf den obligatorischen Vergleich mit Best-Practice-Beispielen von Mitbewerbern kann man sich jetzt ganz entspannt einlassen.


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Elisabeth Vollbrecht
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